Seit Corona sind Autos immer teurer geworden. 2025 steht nun ein heftiger Preiskampf bevor – aber nur bei Stromern.
Hinter dem Bürostuhl des Kölner Autohändlers Stefan Bäckmann hängt ein Poster. Es zeigt den Mazda MX-5 RF, ein Sport-Cabrio mit Benzinmotor. Bäckmann verheimlicht seine Meinung zu E-Autos nicht: „Besser als Hubraum ist nur mehr Hubraum.“ Irritierend, immerhin ist der 46-Jährige auch Obermeister der Kfz-Innung Köln, des Lobbyvereins der Autohändler. Sollte er als solcher nicht die Chancen der E-Mobilität anpreisen? Aber nein, Bäckmann sagt, irgendwo im Laden stehe ein MX-30, der einzige Vollelektrische von Mazda, den müsse er ausstellen. Seit über 600 Tagen sei kein Käufer in Sicht: „Das ist völlig unrentabel für uns.“ Aber auch die Verbrenner schwächeln. 2024 sei das schlechteste Jahr der Firmengeschichte gewesen. Hersteller gewährten Händlern immer weniger Margen und Boni. Und die Kunden seien völlig verunsichert, die Kauflust fehle. Bäckmann streicht zehn Prozent der Stellen: „Bis 2027 sehe ich keine Besserung.“
Die CO2-Vorgaben aus Brüssel werden immer schärfer – das erzeugt Verkaufsdruck
Für Verbraucher, die an E-Autos interessiert sind, sieht die Lage ganz anders aus. Nach Jahren steil steigender Preise kündigt sich eine Rabattschlacht an. Schon im Januar wurden bundesweit über 50 Prozent mehr Stromer zugelassen als im Vorjahr. Bäckmanns Problem: Mazda und Suzuki, auf die er spezialisiert ist, haben zusammen bisher nur zwei wenig attraktive E-Modelle im Angebot. Der Grund für den Preiskampf? Philipp Sayler von Amende, Chef der Vermittlerplattform Carwow, sagt: „Um die neuen, strengen CO2-Vorgaben der EU zu erreichen, müssen die Hersteller ihre Verkaufsquoten bei E-Autos massiv hochfahren.“ Sonst drohten ihnen Milliardenstrafen aus Brüssel, das die CO2-Flottengrenzwerte deutlich verschärft. Zwar will EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen den Herstellern jetzt mehr Zeit einräumen, um die hohen Hürden zu nehmen, doch der Reduzierungsdruck bleibt bestehen. Was uns erwarte, könne man beim EU-Aussteiger Großbritannien beobachten. Dort gilt seit 2024 das „ZEV-Mandat“ (zero emission vehicle): Dieses Jahr müssen 28 Prozent der verkauften Autos emissionsfrei sein, sonst drohen saftige Geldstrafen. Die Quote steigt bis 2030 auf 80 Prozent. „Durch das ZEV-Mandat setzte eine brutale Marktveränderung ein. Die Hersteller haben attraktive Incentives für Stromer eingeführt und die Preise von Verbrennern kräftig hochgezogen“, so der Carwow-Chef. Er glaubt, dass die Schlacht schon begonnen hat. Über seine Plattform suchen monatlich rund vier Millionen Menschen einen Neu- oder Gebrauchtwagen. Carwow leitet ihre Wünsche an (insgesamt 2800) Autohändler weiter, die schicken dann Angebote raus. Ein Selbstversuch zeigt: Den nagelneuen E-Kleinwagen Hyundai Inster, Listenpreis 25.290 Euro, offeriert ein Kölner Händler für 21.237 Euro – 17 Prozent Rabatt! Ein anderer Anbieter verleaste kürzlich den VW ID.3 Pro für schlappe 145 Euro pro Monat.
Thomas Peckruhn, Vizepräsident beim Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe und selbst Händler, bestätigt: „Der Kunde kauft wieder.“ Die guten Januarzahlen seien aber entstanden, weil Stromer aus dem Dezember erst im Januar angemeldet wurden, um bei der EU für 2025 einzuzahlen. Mit einer neuen Ökokaufprämie rechnet er unter einem Kanzler Merz nicht. Der müsse aber die Stromsteuer senken und die Ladeinfrastruktur verbessern.
Vor allem Dienstwagen sollen den Durchbruch beim Elektroauto bringen
Die EU versucht derweil, mit einem Aktionsplan den Stromerverkauf anzukurbeln, insbesondere über Dienstwagen. Dagegen drängen vor allem rechte Politiker, sämtliche CO2-Flottengrenzwerte wieder abzuschaffen. Der grüne EU-Abgeordnete Michael Bloss warnt vor ihnen: „Ohne eine klare Strategie für den Hochlauf der E-Mobilität ist der Autostandort akut gefährdet.“