Wer Gurken, Tomaten oder Paprika selbst anbauen möchte, muss das Gemüse vorziehen. Und dabei ist nicht nur das Timing wichtig. Darauf kommt es bei den verschiedenen Sorten an.
Im März, spätestens April sind die Gartencenter voll mit jungem Gemüse. Oder dem, was einmal junges Gemüse werden will. Deshalb zieht man in professionellen Betrieben schon im Winter unter idealen Bedingungen Tomaten, Gurken, Paprika und andere beliebte Gemüsepflanzen vor. Wer eigene Samen nutzen möchte, kann das tun. In diesem Fall liegt das Gemüse vorziehen in den eigenen Händen. Es braucht allerdings mehr als nur einen grünen Daumen, damit aus den Samen irgendwann kleine Pflanzen werden, die später Früchte tragen.
Gemüse vorziehen: 7 Schritte vom Samen zur Frucht
Bevor Sie im Gartencenter das Regal mit den Samen stürmen, sollten Sie sich überlegen, was genau in diesem Sommer im Garten oder auf dem Balkon reifen soll. Einsteiger starten am besten mit zwei Gemüsesorten, zum Beispiel Tomaten und Gurken. Für Balkone gibt es auch Samen für die kleineren Snackvarianten.
Schritt 1: Saatgut und Erde kaufen
Kaufen Sie hochwertiges Saatgut, im besten Fall Bioqualität oder samenfeste Sorten. Das sind Sorten, mit deren Samen die Pflanze mit exakt denselben Eigenschaften über mehrere Generationen reproduziert werden kann. Weil die Samen ohne Nährstoffe nichts wert sind, gehört fürs Gemüse vorziehen auch hochwertige Anzuchterde in den Einkaufswagen. Wichtig: Kaufen Sie keine herkömmliche Blumenerde. Die enthält zu viele und zu hoch konzentrierte Nährstoffe, die die Samen und Wurzeln der jungen Pflanzen überfordern. Greifen Sie also zu speziell deklarierter Anzuchterde.
Schritt 2: Richtigen Zeitpunkt abwarten
Das Timing ist beim Gemüse vorziehen einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren. Für die beliebtesten Sorten gelten die folgenden Aussaattermine. Tomaten und Paprika sät man idealerweise im Februar und März auf der Fensterbank aus, weil sie eher langsam wachsen. Für Gurken und Zucchini ist der April optimal. Beide Pflanzen entwickeln sich recht schnell, sind aber sehr empfindlich für Kälte, was später beim zu frühen Umzug ins Freie zum Problem wird. Kohl und Salate sind eher unkompliziert. Hier gilt das Prinzip: Wer früher sät, kann schneller ernten. In der Regel finden Sie die Tipps zum Aussaattermin auch auf den Samentütchen.
Schritt 3: Das Aussäen
Fehler beim Aussäen können dazu führen, dass die Samen erst gar nicht keimen. Deshalb sollten Sie hier sehr sorgfältig und genau arbeiten. Entscheidend sind hierbei die Aussaattiefe und der Abstand zwischen den Samen. In größeren Anzuchttöpfen oder Schalen freuen sich die Keimlinge über zwei bis drei Zentimeter Privatsphäre, damit sie ungestört keimen und wachsen können. In kleinere Pflanztöpfe stecken Sie am besten jeweils zwei Samen und beobachten, wie sich die Keimlinge entwickeln. Sobald Sie erkennen, welcher sich besser schlägt, sortieren Sie den kleineren Keimling aus.
Bei sogenannten Lichtkeimern wie Salat, Karotten oder Sellerie verteilen Sie die Samen auf der Erde. Danach drücken Sie sie leicht an. Alle anderen stecken Sie je nach Samengröße etwa einen bis drei Zentimeter tief in den Topf und bedecken sie locker mit Erde. Bei Tomaten und Paprika genügt etwa ein Zentimeter. Kürbis- und Gurkensamen können etwas tiefer gesetzt werden.
Wichtig: Feuchten Sie die Erde leicht an, bevor Sie die Samen versenken. Nach der Aussaat freuen sich die Samen über eine vorsichtige Dusche mit der Sprühflasche. Achten Sie dabei darauf, dass die Samen nicht weggeschwemmt werden.
Schritt 4: Licht & Temperatur im Auge behalten
Wer die Keimlinge nun sich selbst überlässt, kann das Gemüse direkt im Supermarkt kaufen. Damit sich die Pflanzen gut entwickeln, benötigen sie zunächst vor allem Licht. Stellen Sie die Anzuchttöpfe also möglichst auf eine Fensterbank, die auch tagsüber viel Sonnenlicht abbekommt. Unterstützen kann man das Wachstum mit Zusatzbeleuchtung, etwa einer Pflanzlampe. Für die Keimung benötigen die beliebtesten Gemüsesorten dauerhaft zwischen 20 und 25 Grad Celsius. Nach der Keimung begnügen sich Tomate, Paprika & Co. mit Temperaturen um 20 Grad Celsius.
Schritt 5: Regelmäßig Gießen und Lüften
Neben gutem Raumklima will das aufstrebende junge Gemüse auch mit Flüssigkeit versorgt werden. Hierbei ist wichtig, dass die Erde immer feucht, aber niemals richtig nass ist. Sonst besteht die Gefahr, dass aufgrund der Staunässe Schimmel entsteht. Eben dieser Schimmelbildung kann man mit regelmäßigem Lüften des Raums entgegenwirken, in dem die jungen Pflanzen gedeihen sollen. So beugen Sie zudem Krankheiten vor, die das Wachstum hemmen oder die Pflanzen im schlimmsten Fall absterben lassen.
Schritt 6: Pikieren und Umtopfen
Bevor es für das vorgezogenen Gemüse ins Freie geht, müssen die Jungpflanzen pikiert und anschließend umgetopft werden. Beim Pikieren werden die Jungpflanzen vereinzelt, bei denen mehrere Samen in einen Topf gesät wurden. Auch hierbei ist das Timing wichtig. Die Pflänzchen sollten erst mit dem Pikierstab vereinzelt werden, wenn einige echte Blätter zu sehen sind. Die ersten Blätter, die sprießen, sind immer die Keimblätter. Verteilen Sie die vereinzelten Pflanzen sorgsam in etwas größere Anzuchttöpfen und gehen Sie beim Gießen so vor wie in Schritt 5. Achten Sie beim Pikieren darauf, dass die zarten Wurzeln möglichst nicht beschädigt werden.
Tipp: Gurken und Kürbisse müssen nicht pikiert werden. Setzen Sie die Samen jeweils einzeln in Anzuchttöpfe.
Schritt 7: Abhärten und Auspflanzen
Im siebten und letzten Schritt setzen Sie die Pflanzen vor die Tür – oder besser: ins Freie. In den Wochen zuvor sollten die mittlerweile schon kräftigen Pflanzen tagsüber auf den Balkon oder die Terrasse ziehen. So können sie sich langsam an die Bedingungen im Freien gewöhnen und anpassen. Zudem wachsen sie in dieser Zeit etwas langsamer und schießen nicht unnötig in die Höhe. Vergessen Sie aber nicht, die jungen Pflanzen über Nacht nach drinnen zu holen. Frühestens Mitte Mai kommt dann der große Tag. Nach den Eisheiligen (2025 sind die für den 11. bis 15. Mai angekündigt) ziehen die vorgezogenen Pflanzen aus dem Topf ins Beet. Beachten Sie auch hier den empfohlenen Pflanzabstand, damit Ihre Fürsorge der vorangegangenen Wochen nicht mit welken Blättern und vertrockneten Pflanzen endet.